Heimat – man sieht (sie) nur mit dem Herzen gut

Heimat und Zuhause – kann man das überhaupt definieren?

Ich komme aus Bensberg, Ortsteil Refrath – das liegt vor den Toren Kölns Richtung Bergisches Land und gehört seit den 1970er Jahren zu Bergisch Gladbach. Somit komme ich auf dem Papier aus der gleichen Heimatstadt wie Heidi Klum.

Ohne EnglischHeimat und Zuhause

Mit diesem Blogpost nehme ich an der Blogparade von Katja zum Thema Heimat teil. Ich finde es schwierig, sich dazu strukturiert zu äußern, deshalb verzeiht mir den assoziativ-iterativen Stil dieses Blogposts. Mittlerweile gibt es in Katjas Blogparade über 70 Beiträge. Vier davon habe ich gelesen. Die Unterscheidung von Heimat und Zuhause, die Christian Dingler trifft, fand ich sehr einleuchtend. Ich denke darüber nach, seit ich sie gelesen habe. Und kann mich ihr dennoch nicht so richtig anschließen. „Heimat braucht Wurzeln – der Rest ist nur ein Zuhause“. Die Hierarchie und Wertung dieser Unterscheidung lässt mich aufseufzen. Denn wenn’s danach ginge, hätte ich keine Heimat und viele Zuhauses. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es bei mir eher andersherum ist: Ich habe mehrere Heimaten und daher ist das Zuhause relativ egal.

Was ist Heimat?

Brainstormen:

Heimat ist…

… wo man geboren und aufgewachsen ist.

… wo die Eltern wohnen.

… wo die Familie ihre Wurzeln hat.

… wo man Schulfreunde hat.

… wo Verwandte auf dem Friedhof liegen.

… womit man Kindheitserinnerungen verbindet.

…. wo man nach fast 40 Jahren noch kreuz und quer durch Wald und Siedlungen streifen kann, weil man jeden Trampelpfad kennt.

 Wenn ich das so definiere, dann habe ich eine Heimat. Nur ein Heimatgefühl stellt sich deshalb nicht ein. Einzig die Liebe für meine engere Familie ist ein (schönes) Gefühl – ich bin jedoch überzeugt, dass diese vom Ort unabhängig ist.

Wherever I lay my hat that’s my home

  • 1990/91 war ich sechs Monate in England und wohnte in Reading/Berkshire im Studentenwohnheim.
  • Von 1991 bis 1998 wohnte ich in Köln.
  • 1994 war ich vier Monate in Florenz.
  • 1998 bis 2005 wohnte ich in Tübingen.
  • 2005 bis 2007 wohnte ich 17 Monate in Bielefeld.
  • Seit 2007 wohne ich in Berlin.

Reading und Florenz waren mehr oder weniger Stippvisiten. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und auch zuhause. Den Spruch mit dem Hut variierte ich damals. Meine Definition von Heimat in England war: „Wherever I put my books on a shelf – that’s my home“. In England habe ich jede Woche ein bis drei Bücher gekauft. Ich fühlte mich sehr zuhause.

Bücher als Symbole meines geistigen Zuhauses waren für mich gleichbedeutend mit geistiger Heimat. Gesellten sich dann noch vertraute Menschen dazu, die ich liebte und die mich liebten – dann war der Ort auch tatsächlich meine Heimat.

Heimathafen

Im Grunde bin ich ein unsteter Geist. Mir genügte es lange Zeit, zu wissen: Da stehen meine Bücher, da wartet mein Mann auf mich, ich habe einen Hafen. Um so lieber war ich unterwegs. Wenn ich aber heute einen Satz wie den oben zitierten von Christian lese, dann fühle ich mich – obwohl er ja nur für sich selbst spricht – zunächst diskriminiert, weil ich laut seiner Definition ja keine Heimat habe.

Je länger ich jedoch für diesen Blogpost darüber nachdenke, desto sicherer weiß ich:

Meine Heimat ist die Heimat des Herzens. Das heißt, der Ort und die Menschen an diesem Ort. Den Ort – Berlin – habe ich bewusst gewählt. Und Berlin hat mich nie enttäuscht. Denn es hat mich mit offenen Armen aufgenommen. Und die Menschen in Berlin haben das auch getan. Viele von ihnen kommen selbst von irgendwo her. Viele von ihnen sind aber auch „Eingeborene“. Viele Menschen hier sind mir in den vergangenen sechs Jahren ans Herz gewachsen. Und einige sind Wahlverwandte.

Von daher ist es egal, woher ich komme. Und egal, ob ich mit Menschen verwandt bin oder nicht. Wenn ich Menschen habe, die mir nahe stehen und denen ich nahe stehe – dann ist dieser Ort meine Heimat. Und bedeutend mehr als ein Zuhause.

Wahl-Heimat

Insofern habe ich mehrere Heimaten. Dabei gibt’s das Wort vermutlich gar nicht im Plural. Obwohl ich es eigentlich immer abstreite, ist nach dieser Definition auch Bensberg-Refrath meine Heimat. Dort wohnen meine Eltern, die ich liebe und die mich lieben.

MoniMoni und Gerdi

Außerdem ist Köln meine Heimat. Denn dort habe ich Freunde, die mir schon seit über 20 Jahren nahe stehen – und ich ihnen.

LuizaBirgitBerlin ist meine Wahl-Heimat. Die Stärke dieses Wortes muss einem erst einmal bewusst werden. Eine Wahl-Heimat ist für mich bedeutender als die anderen Heimaten. Jenseits jeglicher Willkür, das in dem Wort „Wahl“ steckt, ist genau hier meine hauptsächliche Heimat, weil mir hier so viele Menschen am Herzen liegen. Die mich offenen Herzens aufgenommen haben.

WuchtiKleinerdreiDie Qualität von Freundschaften und Wahlverwandtschaften in meiner wunderbaren Heimat Berlin wurde mir erst diese Woche bewusst, als ich fest stellte: Nicht nur ich kondoliere hier einer Freundin, wenn einer ihrer Freunde stirbt. Das machen auch andere (Freunde). Die Wahlverwandten in der Wahlheimat stehen sich nahe. Vielleicht liegt das ja nicht an Berlin – sondern an den glücklichen Zufällen, die mir so herzensgute Menschen in meinen Freundeskreis gebracht haben. Ich habe zugelassen, dass mein Herz an dieser Stadt hängt, wegen der Menschen, die in ihr wohnen. Müsste ich jemals aus Berlin wegziehen, ich würde mich entwurzelt fühlen. Zum ersten Mal in meinem Leben.

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Ich halt‘ Euch auf dem Laufenden 1

In loser Folge Erlebnisse und Kurionses – was mir beim Laufen widerfährt. Oder was ich denke, wenn ich dabei denke.

Sonntag, 2.12.2012 – 12,18km 1:22:00

Run, Caro, run

Eine Frau mit fünf Möpsen

Nicht was Ihr denkt. Nicht Scaramanga-Style oder wie die Artemis-Statue im Nationalmuseum in Neapel.  Am Holsteiner Ufer überhole ich von hinten eine Hundebesitzerin, die an einer Ausziehleine einen Mops hat. Wegen der Leine ist Vorsicht geboten. An der anderen Hand noch eine Leine und noch ein Mops. Und drei weitere die frei herumröchelschnüffeln, wie Möpse das nun mal tun.

Skateboardgate

Auf dem Rückweg kommt mir auf dem asphaltierten Weg parallel zur Straße des 17. Juni ein Skateboardfahrer entgegen. Der ist mindestens Ende 50. Jetzt ne Glosse schreiben, denk ich. Aber ich heiße nicht Brigitte. Mein kleines Blog möchte keinen Shitstorm. Und außerdem glaube ich, Ihr hab das diese Woche schon wieder alle vergessen.

Europäischer Monat der Fotografie (MdF/EMoP) Berlin

Als Freundin der Fotografie finde ich diese jährliche Veranstaltungsreihe klasse. Was auf der auf der Website des MdF Berlin trotz des schicken Pinterest-Looks allerdings fehlt, ist eine Karte, um die Galerie- und Museumsbesuche in der „großen Stadt“ zu erleichtern.

Ich habe meine persönliche MdF-Karte auf Google erstellt – zunächst die Ausstellungen, in denen ich schon war. Ich werde sie im Laufe des Tages um jene Ausstellungen ergänzen, zu denen ich noch gehen möchte. Und dann zwei Karten daraus machen: Eine für wochentags und eine für’s Wochenende, denn es gibt Orte, die man nur entweder/oder besichtigen kann.

Die Links zu den beiden anderen Karten teile später gerne auch mit Euch – vielleicht treffen wir uns ja sogar irgendwo.

 

Update:

Das Team des MdF macht gutes Monitoring. Sie bedanken sich für mein Blogpost und schicken mir den Link zu einer Karte aller Ausstellungsorte, den ich auf der Website nicht gefunden hatte. Hier:

http://www.mdf-berlin.de/de/ausstellungen/orte/