„Einsicht ist der größte Reichtum.“

Eine wunderbare sprachaffine Freundin wies heute auf den Sprichwortrekombinator hin. Den kannte ich schon. Doch manchmal ist es wunderbar, solche Schmuckstücke des Internets wiederzuentdecken. Dem Rekombinator entstammt die Redewendung des Titels sowie die Untertitel dieses Blogposts.

„Was man nicht im Kopf hat, das füg auch keinem anderen zu.“

Ich habe mit mir gerungen, ob ich das, was ich heute bloggen möchte,  öffentlich machen soll. Und mich dafür entschieden. Vor drei Wochen wurde mir ein Job angeboten. Ein Projekt für sechs Monate. Gut bezahlt und ein hochrangiger Einstieg und somit das Referenzprojekt in den Tätigkeitsbereich Social Media. Das hat mich gefreut. Zu tun hatte ich zunächst mit einer (großen internationalen sehr renommierten) Werbeagentur. Sie hatte die digitale Strategie für den (internationalen) Kunden ausgearbeitet, die nun in Deutschland ausgerollt und bei Erfolg nach sechs Monaten auch für andere Ländern adaptiert werden sollte. Die Agenturmenschen waren sehr angetan von meiner ‚Test-Arbeit‘. Nun wollte mich meine Ansprechpartnerin ’nur noch‘ dem Kunden vorstellen. Sie flog aus London ein und wir trafen uns in der Stadt, in der sich die Deutschlandzentrale des Kunden befindet.

Das Treffen mit der Agenturfrau war super. Wir unterhielten uns gut und fundiert – beruflich ebenso wie im Small-Big-Talk. Schade war nur, dass uns der Kunde (d.h der Marketingmanager des Unternehmens) fast eine Stunde (bei 38°C Außentemperatur) warten ließ. Und schade war auch, was anschließend im Gespräch zu dritt passierte.

Agenturfrau: „Ich habe Ihnen den Lebenslauf von Frau Kliemt ja im Vorfeld geschickt. Und auch Ihre Probearbeit. Welche Fragen haben Sie dann dazu?“ Er: „Mit meinem Terminkalender. Wann soll ich denn einen Lebenslauf lesen?“ – Ja, genau. Jetzt im Nachhinein weiß ich: Ich möchte nie mehr so behandelt werden. Das nächste Mal warte ich, bis der Part kommt, in dem ich die Fragen stellen darf und frage: „Aus welchem Grund suchen Sie denn eigentlich eine [hier Jobtitel einfügen] . Die Social-Media-Strategie von [hier Wettbewerber des Unternehmens einfügen] läuft doch super.“ Das wäre ähnlich gut vorbereitet und wertschätzend 😀 Das re-kombinierte Sprichwort passt in seiner Absurdität gut zu dem Gefühl, das die Situation bei mir hinterließ. Und das ungute Gefühl durfte ich noch weitere 17 Tage genießen.

„Wenn zwei sich streiten, haben die Krümel zu schweigen.“

Am Tag des Gesprächs hatte ich übrigens erfahren, dass es auf Wunsch des Kunden doch noch einen zweiten Kandidaten gab. Die Agentur wollte auf jeden Fall mit mir zusammen arbeiten. Aber entscheiden würde natürlich der Kunde. Ganze 17 Tage nach dem Gespräch habe ich erfahren, dass Kandidat 2 den Job bekommen hat. Ich erfuhr es aber erst, als ich nach 15 Tagen nicht mehr abwarten wollte und etwas penetranter nachgehakt habe. Die Kommunikation in diesen 17 Tagen war schwierig. Die Agenturfrau war in ziemlicher Not. Ich glaube, sie sollte mich ‚hinhalten‘ so lange es ging, falls der andere Kandidat doch noch abgesprungen wäre. Jedenfalls kam ich mir sehr wir ein Krümel vor. Und das ist noch ein Euphemismus.

„Klappe zu, kurzer Sinn.“

Das Schöne ist ja, dass ich etwas gelernt habe. Ich lasse das nicht mehr mit mir machen. Und höre noch mehr auf mein Bauchgefühl. Wenn ich mich von jemandem wie einen Krümel behandelt fühle, werde ich ihm das sagen. Und von meiner Seite aus dankend auf eine Zusammenarbeit verzichten. Denn:

„Was einen nicht umbringt, kann noch werden.“

P.S.: Diejenigen, die wissen um welchen Kunden es sich handelte, bitte hier nicht kommentieren. Danke.