Ich halt Euch auf dem Laufenden 8

Bingo – die Trainingswoche mit den Glücksnummern 110 und 112

Lang, lang ist’s her, dass ich Euch auf dem Laufenden hielt. Den 25er bin ich nicht ganz so gelaufen, wie ich wollte. Sehr knapp unter drei Stunden. Die anschließenden Wochen hatte ich ein Form- und Mentaltief (was das Laufen angeht). Aus dem habe ich zum Glück durch sanften Umstieg auf das Marathontraining und durch die freundliche Unterstützung meines Lebensgefährten bei den langen Läufen wieder herausgefunden. Kurzum. Die Vorbereitung läuft prima. Keine Zipperlein nirgendwo. Knie, Hüfte, Rücken, alles da, wo es hingehört.

Hitze und Begleitung

Selbst meine Abneigung gegen Läufe am frühen Morgen habe ich in diesem wunderschönen Sommer abgelegt. Hitze beim Laufen mag ich noch weniger, und so bin ich teilweise schon vor sechs Uhr morgens gestartet – für mich eine echte (zusätzliche) Leistung.

Während meines Formtiefs oder Motivationstiefs fragte mich mein Liebster: „Wie kann ich Dich unterstützen?“ Die Antwort darauf war, mich auf den langen Läufen am Wochenende mit Wasser, Isodrink und Bananen zu begleiten. Seit dem läuft es wirklich gut. Und in der vergangenen Bingo-Woche war ich heilfroh, dass er bei mir war.

Lessingbrücke Berlin Moabit Postkarte Thumb Kopie110

Unter der Lessingbrücke in Moabit begegnete mir am Donnerstag ein „Sittenstrolch“. Ich laufe ja wirklich nicht schnell, außerdem hatte ich eine Sonnenbrille auf und unter der Brücke ist’s dunkel. Deshalb bemerkte ich erst im letzten Moment, dass da auf dem Podest jemand stand. Tags zuvor hatte mir eine Freundin erzählt, dass beinahe mal jemand auf sie gekotzt hätte. Und ich zuckte im ersten Moment zusammen, weil ich dachte, da pinkelt gleich einer im hohen Bogen über mich in die Spree. Aber nein. So ein Arschloch. Zur besten Uhrzeit, in der die gegenüberliegende Grundschule die sechste Stunde beendet, holte er sich an sehr exponierter Stelle (Podest, s.o.) einen runter. Weil ich ohne Handy unterwegs war, bin ich in den nächsten Laden gelaufen und habe die 110 angerufen. Die freundlichen Polizisten, die dann später bei mir zuhause anriefen, haben ihn natürlich nicht mehr gefunden.

112

Am Samstag dann – 25km auf dem Plan. Bis 21,99km ging auch alles wunderbar. Es war tolles Wetter, tolles Licht, ich lief eine gute Zeit und hatte dank meines lieben Begleiters auch noch richtig Spaß. Ich wollte gerade für 22 Kilometer auf der Stoppuhr checken, als – ja, als ich stolperte.

Es ging alles so schnell und trotz einer langsamen Geschwindigkeit von 8,5km/h bin ich ungebremst und nur unter geringfügiger zusätzlicher Bremskraft von Knien und Händen mit der Stirn auf das Kopfsteinpflaster geschlagen.

Pflasterstein StempelDer Schmerz an Stirn und Nase sowie der Schlag, den es auch auf die Brust getan hat, war im ersten Moment sehr sehr sehr schlimm. Es zog aber nicht mein bisheriges Leben an mir vorbei, sondern ich dachte nur – „oh, Gott, was, wenn Du Dir eine Hirnverletzung zugezogen hast, oh, Gott, wenn das Dein letzter klarer Gedanke war“. Und laut geschrien habe ich – zum Kummer meines lieben Begleiters, der völlig unter Schock stand.

Blöderweise waren wir auf einem Fußweg – aber die Straße zum Glück nur 50 Meter entfernt. Ich habe ihn einen Krankenwagen rufen lassen. Der kam nach vier Minuten (danke, Großstadt). Und fuhr mich nach Untersuchung vor Ort doch sicherheitshalber ins Krankenhaus Westend.

Ich habe so großes Glück gehabt. Keine Symptome für eine Gehirnerschütterung. Kaum Schürfwunden. Natürlich die fetteste Beule der Welt an der Stirn und jetzt zwei Veilchen, die sich sehen lassen können (oder auch nicht).

Anbei ein paar Fotos vom Ort. Der Pflasterstein war noch die gute Variante. Zum Glück war es keine der hochstehenden großen Platten, auf die ich fiel.

Wo ich fiel ThumbHohle Gasse ThumbPositiv

Wie immer – versuche ich, solchen Erlebnissen als sinnvolle Ereignisse zu sehen und eine positive Lehre daraus zu ziehen. Denn sonst müsste ich mich als zweifaches Opfer sehen. Das würde micht zu sehr zermürben.

Der Exhibitionist – zeigt mir einmal mehr, dass man als laufende Frau immer noch eine Minderheit ist – und natürlich auch mehr Kilometer macht als andere Frauen, auf denen einem unangenehme Dinge passieren können. Aber wir sind eine Minderheit, die zumindest die sportliche Herausforderung gerne annimmt und sich deshalb vielleicht auch anderen Herausforderungen besser stellen kann. Trotzdem ist und bleibt er ein Arschloch. Excuse my French.

Der Unfall: Ich kann noch einen besseren Laufstil kann entwickeln und einfach achtsamer laufen. Besser auf mein Befinden achten, konzentrierter laufen. Und einstecken kann ich wohl auch ganz gut. Die Schmerzen sind fast erschreckend schnell verflogen.

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Ich halt Euch auf dem Laufenden 7

Kurz vor 25

Die gute Nachricht zuerst:

Ich habe den Trainingsplan von vorne bis hinten eingehalten.

Das war allerdings sehr anstrengend – die Zielzeit des Trainingsplanes werde ich nicht anstreben. Denn: Nach dem Halbmarathon im April pausierte ich eine Woche und habe dann nur die letzten 2 Wochen des 16-wöchigen Planes umgesetzt.

Ziel für Sonntag (beim Big 25)

  1. Finishen.
  2. Spaß haben.
  3. Erste Hälfte (10km) langsam laufen, 2. Hälfte (11km) mit erhöhtem Tempo – dann gucken, was geht.
  4. Spaß haben.
  5. In ein/mein Tempo finden.
  6. Spaß haben.
  7. Halbmarathonzeit vom April geringfügig verbessern.

Foto von Andreas Le

Schönes am Wegesrand in den letzten beiden Wochen

Ich traf den geretteten Hund wieder.

Ein Porschefahrer hielt im Regierungsviertel an, um mich über die Straße zu lassen. Kam mir sehr dynamisch vor.

Andreas, der viele tolle Lauffotos von mir gemacht hat – und außerdem die auf meiner beruflichen Website -, läuft jetzt auch Wettkämpfe. Und schnell ist er. Ich bin ein bisschen neidisch freue mich für ihn. Im November wollen wir Marathonstaffel laufen. Yippieh.

An der Arminius-Markthalle (auch: Zunfthalle) in Moabit saßen zwei Französinnen auf einer Bank in der Sonne, machten „Brotzeit“, die sie sich in der Markthalle eingekauft hatten und schnitten Schrippen und Wurst stilsicher mit einem Laguiole.

Glücklich denke ich: Ich lebe da, wo andere Urlaub machen 😀

Foto von Caroline Kliemt

Auf den Zahn gefühlt

Milchzähne 1970Eine Liebeserklärung an meine Zähne. Früher – da war alles noch gut. Jedenfalls strahle ich hier mit meinen gerade vollständigen Milchzähnchen fröhlich vor mich hin. (Man beachte die kleinen Vampirzähne oben <3) 

Ich war zwar kein braves Kind, aber habe schon früh verstanden, was wichtig ist. Deshalb putzte ich mir immer gründlich die Zähne. Ich wurde dafür nicht belohnt. Schon zu Milchzahnzeiten und erst recht, als dann die zweiten Zähne kamen, war es beim Zahnarztbesuch jedes Mal das Gleiche:  Ich hatte mindestens „ein Loch“ — und „Mutti, Mutti, er hat wieder gebohrt“.

Fotograf Felix Neiß

Irgendwie war mein Mund zu klein und mein Kiefer zu schmal für die vielen Zähne. Sie wuchsen deshalb kreuz und quer und standen zum Teil voreinander.Der Beharrlichkeit meines Zahnarztes und meiner Mutter ist es zu verdanken, dass ich nicht ‚zu irgendeinem‘ Kieferorthopäden kam, sondern zu einem, der das einzig Richtige tat: insgesamt vier Backenzähne ziehen lassen und die restlichen nach hinten schieben. Klingt fies – war es auch.

Fotografin Sibylle Rüstig

Bis alles da stand, wo es hingehörte, und auch dort festgewachsen war, dauerte es einige Jahre. Aber schon nach einem Jahr war das Wunder vollbracht. Es stellte sich heraus: Ich hatte mir die Zähne immer schon gründlich genug geputzt. Aber nun auch war genügend Platz zwischen ihnen, um sie sauber zu bekommen. Ich bekam keine neuen „Löcher“ in die Zähne. Die vier verbliebenen Backenzähne hatten damals Füllungen, die 1986 noch einmal mit Amalgam erneuert wurden. Aber seitdem – seit 27 Jahren – hatte ich nie wieder Probleme mit Karies und musste nie wieder eine Zahnbehandlung über mich ergehen lassen.

Trotzdem habe ich selten gerne Zähne gezeigt auf Fotos. Wenn ich „mit Zähnen“ lache, kriege ich Schlitzaugen und man sieht nur die oberen Zähne. Ich finde das selbst keinen vorteilhaften Anblick, deshalb lächle ich eigentlich lieber mit geschlossenem Mund in Kameras. Oder zeige ich meine Zähne aus uralter Gewohnheit nicht gerne? Erst waren sie ‚löchrig‘, dann schief und kreuz und quer, dann in Zahnklammer und ‚Schneeketten‘ (d.h. feste Zahnklammer) gepresst. Kann sein. 

zähne zeigen 2012

Wie es kommt, dass ich gerade heute über meine Zähne schreibe? Da kommen wir zur Moral von der Geschicht: Momentan leiden meine Zähne unter dem (inneren) Druck, unter dem ich stehe und unter den ich mich setze. Heute habe ich verstanden, dass ich dem Rat meiner (tollen neuen) Zahnärztin folgen werde. Der lautete: „Einfach die Dinge nicht zu schwer zu nehmen – obwohl ich ahne, dass gerade das nicht einfach ist.“ Denn meine Zähne, die liebe ich sehr. Sie sind wie ich. Klein, stark, widerstandsfähig – auf ihre Art schön. Wenn ich gut zu ihnen bin.

Mit anderen Worten:

innerer Frieden

So kurz wie möglich

Die Sexismusdebatte ist vor allem eine Debatte mit und um Verallgemeinerungen. Indem ich das sage, habe ich auch pauschalisiert.

Pauschalisierendes, d.h. kategorisierendes Denken in Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozessen – dazu mal Top-Down/Bottom-up lesen.

sexy camp legs

Es grüßt das Hirn auf dem Paar Beine da rechts im Bild.

2012 – danke Euch allen

2012

Das war ein Jahr, das mir unheimlich schwer fiel. Und trotzdem erinnere ich mich an schöne Dinge. Nichts Großes und vielleicht gerade deshalb erinnerungswürdig.

Januar

Ich gehe zum ersten Mal in meinem Leben zu einem Physiotherapeuten. Der hilft. Schnell.

Tomás Saraceno im Hamburger Bahnhof, Berlin.

Tomás Saraceno im Hamburger Bahnhof, Berlin.

Schönstes Erlebnis des Monats ist die Saraceno-Ausstellung im Hamburger Bahnhof, auch wenn ich mich rückenbedingt nicht traue, großartig in der begehbaren Sphäre herumzuhüpfen. Das Schönste dieses Jahr sind ohnehin die Wochenenderlebnisse mit Borris und dem Berlintouristen, die Kamera (fast) immer dabei. D.h. ich fotografiere sehr regelmäßig. Weiterlesen

Europäischer Monat der Fotografie (MdF/EMoP) Berlin

Als Freundin der Fotografie finde ich diese jährliche Veranstaltungsreihe klasse. Was auf der auf der Website des MdF Berlin trotz des schicken Pinterest-Looks allerdings fehlt, ist eine Karte, um die Galerie- und Museumsbesuche in der „großen Stadt“ zu erleichtern.

Ich habe meine persönliche MdF-Karte auf Google erstellt – zunächst die Ausstellungen, in denen ich schon war. Ich werde sie im Laufe des Tages um jene Ausstellungen ergänzen, zu denen ich noch gehen möchte. Und dann zwei Karten daraus machen: Eine für wochentags und eine für’s Wochenende, denn es gibt Orte, die man nur entweder/oder besichtigen kann.

Die Links zu den beiden anderen Karten teile später gerne auch mit Euch – vielleicht treffen wir uns ja sogar irgendwo.

 

Update:

Das Team des MdF macht gutes Monitoring. Sie bedanken sich für mein Blogpost und schicken mir den Link zu einer Karte aller Ausstellungsorte, den ich auf der Website nicht gefunden hatte. Hier:

http://www.mdf-berlin.de/de/ausstellungen/orte/

Freunde 1: Sabine

Aus welchem Grund mich Berlin glücklich macht?
Weil ich hier die wertvollsten Menschen meines Lebens kennen gelernt habe (mal abgesehen von meinen Eltern).

Die allererste Frau, die mir begegnete, als ich einst auf Büro-Besichtigungstour in den Josetti-Höfen war (da wohnte ich noch in Bielefeld): Sabine Hippeli. Ich bekam jede Menge leerstehender Büros gezeigt, aber auf der 4. Etage – so hieß es – würde das Konzept „Wir arbeiten zusammen und haben Spaß dabei“ am Besten funktionieren. Das Büro auf der 4. Etage nahm ich und kurz vor Einzug lernte ich Sabine Hippeli kennen.

Foto: Caroline Kliemt

Viele gemeinsam Mittagessen (girls-talk), dunkle Stunden, lichte Momente, ästhetische Diskussionen, eine Website, ein Bild in meinem Wohnzimmer, einen unglaublich tollen Kunden (für mich = Vernissage-Akquise) und einige gemeinsame Projekte später habe ich vor allem schätzen gelernt: Die Freunde (oder Kontakte) meiner Freunde sind Deine Freunde. D.h. Regina, Lars (der mir ein Bild von Sabine verkaufte!), Kati und Stefan – würde ich ohne Sabine nicht kennen.

Und darum wird es in den nächsten Postings hier gehen. Was ist das Besondere an Berlin? Dass ich hier schon in den ersten Wochen 2007 mehr Leute kennen lernte als in sieben Jahren Tübingen.

Nach Tübingen will ich nie wieder ziehen – in Berlin möchte ich alt werden. Capisce?

Und die hier hat Sabine übrigens auch gestaltet…

Design (c) Sabine Hippeli

Design (c) Sabine Hippeli

Design (c) Sabine Hippeli