Auf den Zahn gefühlt

Milchzähne 1970Eine Liebeserklärung an meine Zähne. Früher – da war alles noch gut. Jedenfalls strahle ich hier mit meinen gerade vollständigen Milchzähnchen fröhlich vor mich hin. (Man beachte die kleinen Vampirzähne oben <3) 

Ich war zwar kein braves Kind, aber habe schon früh verstanden, was wichtig ist. Deshalb putzte ich mir immer gründlich die Zähne. Ich wurde dafür nicht belohnt. Schon zu Milchzahnzeiten und erst recht, als dann die zweiten Zähne kamen, war es beim Zahnarztbesuch jedes Mal das Gleiche:  Ich hatte mindestens „ein Loch“ — und „Mutti, Mutti, er hat wieder gebohrt“.

Fotograf Felix Neiß

Irgendwie war mein Mund zu klein und mein Kiefer zu schmal für die vielen Zähne. Sie wuchsen deshalb kreuz und quer und standen zum Teil voreinander.Der Beharrlichkeit meines Zahnarztes und meiner Mutter ist es zu verdanken, dass ich nicht ‚zu irgendeinem‘ Kieferorthopäden kam, sondern zu einem, der das einzig Richtige tat: insgesamt vier Backenzähne ziehen lassen und die restlichen nach hinten schieben. Klingt fies – war es auch.

Fotografin Sibylle Rüstig

Bis alles da stand, wo es hingehörte, und auch dort festgewachsen war, dauerte es einige Jahre. Aber schon nach einem Jahr war das Wunder vollbracht. Es stellte sich heraus: Ich hatte mir die Zähne immer schon gründlich genug geputzt. Aber nun auch war genügend Platz zwischen ihnen, um sie sauber zu bekommen. Ich bekam keine neuen „Löcher“ in die Zähne. Die vier verbliebenen Backenzähne hatten damals Füllungen, die 1986 noch einmal mit Amalgam erneuert wurden. Aber seitdem – seit 27 Jahren – hatte ich nie wieder Probleme mit Karies und musste nie wieder eine Zahnbehandlung über mich ergehen lassen.

Trotzdem habe ich selten gerne Zähne gezeigt auf Fotos. Wenn ich „mit Zähnen“ lache, kriege ich Schlitzaugen und man sieht nur die oberen Zähne. Ich finde das selbst keinen vorteilhaften Anblick, deshalb lächle ich eigentlich lieber mit geschlossenem Mund in Kameras. Oder zeige ich meine Zähne aus uralter Gewohnheit nicht gerne? Erst waren sie ‚löchrig‘, dann schief und kreuz und quer, dann in Zahnklammer und ‚Schneeketten‘ (d.h. feste Zahnklammer) gepresst. Kann sein. 

zähne zeigen 2012

Wie es kommt, dass ich gerade heute über meine Zähne schreibe? Da kommen wir zur Moral von der Geschicht: Momentan leiden meine Zähne unter dem (inneren) Druck, unter dem ich stehe und unter den ich mich setze. Heute habe ich verstanden, dass ich dem Rat meiner (tollen neuen) Zahnärztin folgen werde. Der lautete: „Einfach die Dinge nicht zu schwer zu nehmen – obwohl ich ahne, dass gerade das nicht einfach ist.“ Denn meine Zähne, die liebe ich sehr. Sie sind wie ich. Klein, stark, widerstandsfähig – auf ihre Art schön. Wenn ich gut zu ihnen bin.

Mit anderen Worten:

innerer Frieden

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