Der Polizeipräsident schickt einen Brief und ich schreibe ihm zurück

Wenn ich dem „Polizeipräsident in Berlin“ einen offenen Brief schriebe, stünde das drin:

Sehr geehrter Polizeipräsident,

gestern bekam ich Post von Ihnen – dabei „habe isch doch gar keine Auto“, dachte ich. Doch seit ich Kundin von car2go und Drive Now bin, stimmt das so natürlich nicht mehr – ganz im Gegenteil, mir steht ein ganzer Fuhrpark zur Verfügung.

Mit einem feschen Smart habe ich unlängst unbewusst die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 30km/h um 14km/h übertreten. Das Verwarnungsgeld von 25 Euro zahle ich zwar zähneknirschend, aber gerne – denn ich bin lernbereit und halte mich grundsätzlich an Regeln, die das Zusammenleben in unserer Stadt sicherer machen. Ja, mir ist es sogar peinlich, dass ich den Geschwindigkeitshinweis gar nicht wahrgenommen habe. Deshalb bin ich heute zum Ort des Vergehens zurück gekehrt, um zu gucken, warum denn dort 30 gefahren werden soll. Und – oh Schreck – dort steht eine Schule.

Auch wenn mich Herr V. und Herr B. dort an einem Samstagnachmittag in den Schulferien fotografierten und daraufhin anzeigten und auch wenn ich deshalb zum Glück zu diesem Zeitpunkt keine Kinder gefährdete: nicht ich mache die Verkehrsregeln, sondern ich halte mich als Inhaber eines Führerscheins möglichst an sie. Deshalb werde ich das Verwarngeld – wie bereits erwähnt – gerne bezahlen.

Das tue ich umso lieber, weil ich Ihnen und den beauftragten Herren V. und B. hoch anrechne, dass Sie mit einer Kontrolle an einer solchen Stelle (Schule samstagnachmittags in den Sommerferien) die leeren Kassen Berlins auf so clevere Art und Weise auffüllen.

Aber – und das ist der Grund dieses offenen Briefes – ich fände es klasse, wenn Sie das demnächst dort tun, wo das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden werden kann, indem Sie Verwarngelder an Orten generieren, wo das Übertreten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit tatsächlich Menschenleben gefährdet. Dafür bieten sich samstags in meinem Kiez z.B. der hintere Teil der Beusselstraße zwischen Turmstraße und S-Bahnhof Beusselstraße oder die Turmstraße selbst an. Da können Sie richtige Action-Filme drehen.

Diese Straßenabschnitte, auf denen man 50km/h fahren darf, werden am Wochenende für Von-0-auf-100-Tests und Auspuffsound-Tests mit erhöhter Geschwindigkeit genutzt. Bisweilen werden auch Szenen aus „Nur noch 60 Sekunden“ nachgespielt, deren Unterhaltungswert trotz Adrenalinausstoß für die gefährdeten Fußgänger und Fahrradfahrer zumeist relativ gering ist. Überholen und Abkürzen des Fahrwegs über den Bürgersteig war bisher das Aufregendste, was ich in dieser Hinsicht erlebt habe.

Vermutlich ist die Situation dort zu unübersichtlich und deshalb weniger einträglich. Ich hoffe dennoch ernsthaft und aufrichtig, dass Sie mehrheitlich Menschen verwarnen, die andere im Verkehr wissentlich und absichtlich gefährden, eine deshalb erfolgte Verwarnung (wie ich) ernst nehmen und daraus lernen.

Mit freundlichen Grüßen

CK

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